Heilig Abend und der Weihnachtsmorgen

“Und was machst du an Weihnachten?” war diese Tage wohl der häufigste Satz den man zu hören bekam. Und so zahlreich die Frage, so vielfältig waren dann auch die Anworten. Es gab: “Skifahren, predigen, weit weg, Familenbesuch, arbeiten, im Chor singen, och nichts, och nee, juhuh, Gottesdienst, Gans&Braten und ‘hoffentlich schnell vorbei’.” – je nachdem, wen man so fragte.

>> Es ist Nacht geworden heute, nicht sehr kalt, es ist eine laue Nacht. Eine laue Nacht im Dezember. Die Budenbesitzer fegen die letzten Mandelsplitter und Tannennadeln aus ihren Weihnachtsmarktbuden, die Taxifahrer stehen wir gewohnt auf ihren Ständen. Eine laue Nacht, eine gewöhnliche Nacht. Die U-Bahn rattert und quitscht in den Kurven, hin und wieder durchbricht ein Martinshorn die Dunkelheit. Es ist Nacht. Eine Nacht wie jede andere. Und doch ist diese Nacht eine andere – eine heilige Nacht. Eine Weihnacht! In der Nacht in der wir dran erinnert werden, dass Gott in diese Welt kommt. Er macht in dieser Nacht aus Profanem, Alltäglichem etwas Ganzes, etwas Heiles…etwas Heiliges.

IMG_6123So wie damals bei den Hirten, in einer lauen Nacht: lang, dunkel und gewöhnlich. Mit den üblichen Sorgen, der Zukunftsangst, mit Liebeshoffung, den längst verpassten Chancen und den tausend Möglichkeiten. So stehen sie in der Nacht – auf ihren Stab gelehnt, am Feuer sitzend oder an der Hecke dösend. Bis plötzlich – ein Licht – es wirg ganz hell um sie. Ein Mann steht vor ihnen – ein Engel, ein Bote – mit himmlischem Glanz – ein Licht – von innen – ein Leuchten: “Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.” Es sind Worte die die Welt verändern. Rauschende, tosende Worte die nach hallen und nie verstummen: Heute ist der Heiland geboren! Heil kommt in diese Welt, in dieses Land, die Stadt, die Nacht.

Was ist es, was wir finden an diesem Weihnachtsmorgen – am Morgen nach der Heiligen Nacht? Was ist so anders zwischen Abend und Morgen? Zwischen gestern und heute? Es ist etwas, was nicht so leicht zu greifen ist. Wie Morgennebel, wie Halbwachzustand. Doch dann entdecken wir es: Nichts ist wie es war. Die Welt hat sich verändert. Von Grund auf! Denn: Es gibt jetzt Frieden. Heiligen, heilen, tiefen Frieden. Mit Gott, mit uns selbst, mit dieser Welt. Es ist in dieser Nacht einer geboren, der der Welt das Heil bringt. Ob ich es glauben kann oder nicht. Ob ich resigniere vor dem Chaos dieser Welt oder versuche sie zu retten oder ob ich nur versuche meinen eigenen Kopf irgendwie nicht zu verlieren. Die unwahrscheinlichste, umwerfendste und leuchtendste Botschaft dieser “geweihten Nacht” ist: Friede kommt in diese Welt! <<

Was mache ich an Weihnachten? In diesem Jahr ist meine Antwort wieder einmal: In einer ganz gewöhnlichen Nacht, mit den üblichen Sorgen, der Zukunftsangst, mit Liebeshoffung, den längst verpassten Chancen und den tausend Möglichkeiten tu ich eins: ich suche Frieden.