‘Die christliche Gemeinschaft’ Impuls von Marcus Hausner

Impuls ‘Die christliche Gemeinschaft’ vom 30.03.2014 | Gemeinschafts-Nachmittag in der Berger Kirche

Über christliche Gemeinschaft nachzudenken, hat für ich zwei treibende Aspekte. Zum einen erfüllt es mich immer wieder mit Traurigkeit und Schmerz, wenn ich höre, wie christliche Gruppen und Gemeinden immer wieder an sich selber scheitern und zerbrechen. Im Grunde vergeht kein Monat, an dem mich nicht irgendwelche Nachrichten von Konflikten, Trennungen oder verletzten Mitchristen erreichen. Und steht die Frage im Raum: Wie gelingt christliche Gemeinschaft? Was kann ich – das menschenmögliche – tun, damit sie gelingt? Andererseits ist es eben diese Form von Gemeinschaft, die mir Begegnung mit dem Auferstandenen ermöglicht, mir einen Ort gibt, an dem ich sein kann. Von dieser Gemeinschaft glaube ich, dass sie der wahre Hoffnungsträger für diese Welt ist. Hoffnung für eine Welt, die in Anonymität und Isolation versinkt. Hoffnung für Menschen, die sich in Selbstverwirklichung verloren haben und in kraftvollen und authentischen Familien beheimatet werden können.

Christliche Gemeinschaft trägt eine Verheißung: Sie ist der Leib Jesu. (Rö 12,5; Eph 2,16) Als Jesusnachfolger verkörpern wir Christus im hier und heute. Was für eine Vorstellung. Jesus zum Anfassen, zum Reden, Streiten, Lieben und Leben. Menschen in Stuttgart können Jesus sehen, wenn sie uns sehen. Irgendwie ein mulmiger Gedanke. Anmassend? Nee. Wenn Jesus sagte: Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich Euch. (Joh 20, 21) Dann meint er eben dies. Wir sind sein Leib im hier und heute.

Diese Art von Gemeinschaft entsteht nicht aus sich selbst heraus. Sie konstituiert sich in dem Handeln und durch die Gegenwart des Auferstandenen. Wir können die christliche Gemeinschaft nicht wählen, sondern werden von Christus selbst in sie gerufen. Jesus ist der Handelnde und der Aktive. Wir reagieren auf den Leiter, die Mitte und den Ausgangs- und Zielpunkt dieser Gemeinschaft: Jesus Christus. Wie der Gekreuzigte Familie stiftet, indem er zu Johannes sagt: Siehe, Deine Mutter. Und zu Maria sagt: Siehe, Dein Sohn. (Joh 19, 26.27) So stiftet er heute geistliche Familien durch sein Wort und durch seine Ansprache an uns Menschen. In der Vineyard haben wir die Redensart: ‘Being born into the movement’, was eben diese Dynamik benennt.

Wenn man also christliche Gemeinschaft nicht ‘machen’ ist, so kann man sie sich zumindest schenken lassen. Ja, sie ist ein Geschenk. Margot Käßmann sagte einmal: “Es gibt Dinge, die wir uns nicht selbst sagen können.” Und so kann die Ermutigung, die Korrektur, das Feedback der Schwester und des Bruders in Christus zum Wort Jesu an uns selbst werden. Eine Ressource, die auf dieser Welt ihresgleichen sucht. Wir sind auf Beziehung angelegt. Wir reifen und wachsen am ‘Du Gottes’ und am ‘Du der Geschwister und unserer Weggefährten’. So verstanden ist christliche Gemeinschaft eine zeichenhafte Vorwegnahme, der Hoffnung, dass der Bräutigam eines Tages seine Braut nach Hause. (Eph 5, 27; Offb 19,7)

Reifephasen einer Gemeinschaft
Wie können wir dieser Wirklichkeit und praktisches Gesicht geben? Menschen machen sich auf den Weg und sammeln Erfahrungen. Dieser Weg kann ein Weg der Reife sein oder der Irrfahrt. Ich entdecke drei wesentlichen Phasen oder Situationen, in denen sich Gemeinschaften bewegen können. Diese Phasen gilt es zu entdecken und konstruktiv mit ihnen umzugehen.

1. Ideale und Schönheit
Die Anfangsphase ist geprägt von Aufbruch und dem Neuen. Der ‘Zauber des Anfanges’ prägt die Grunderfahrung einer Gruppe. Es ist spannend dabei zu sein. Es passiert viel Neues und Frisches. Mitunter ist eine gute Portion Stolz und Sendungsbewusstsein wahrzunehmen.

2. Enttäuschung und Rückschläge
Der Aufbruch muss sich bald an den Widrigkeiten und Niederungen des Alltags messen lassen. Entwicklungen dauern länger als erwartet, Menschen reagieren so  anders und unterschiedlich. Unausgesprochene Erwartungen und Vorstellungen treffen aufeinander. Es tritt ein, was eintreten muss: ENT-Täuschung. Man sitzt der eigenen Täuschung auf und fühlt sich enttäuscht.

-> Reife geschieht jetzt, wenn sich Menschen zumuten mit ihrer Unterschiedlichkeit. Wenn sie eigenen Ideale (Vorstellungen) loslassen und sich auf den anderen einlassen. Das schmerzt. Das bedeutet Verzicht und Umkehr vom eigenen Denken und den eigenen Ambitionen. In der Begegnung mit Christus und einander entdeckt man das Gemeinsame und einend Stärkende. Es geht um Integration (positive Verarbeitung) der Rückschläge und dem bewussten Abgleich eigener Ideale mit den Realitäten. Kurz: Erwachsen werden.

3. Routine und Stabilität
Eine dritte Phase ist die einer Gemeinschaft, die angekommen ist. Qualitatives, wie quantitatives Wachstum ist erfolgt. Das Potential ist/scheint ausgeschöpft. ‘Man ist wer!’ Eine gewisse Selbstzufriedenheit stellt sich ein. Man weiß, wie es ‘läuft’. Menschen, die in dieser Phase verharren lande auf einem Plateau, das eine weitere Entwicklung verhindert. Der Leidenschaft und dem Hunger des Anfangs ist nun einer Nüchternheit und einer Sattheit gewichen. Geschieht keine Umkehr, hat diese Gruppe ihre Zukunft bereits hinter sich.

-> Reife geschieht jetzt, wenn diese Gemeinschaft sich nach Erneuerung ausstreckt. Erneuerung bedeutet, alte Muster zu verlassen, Risiken eingehen, Bewährtes loslassen und wieder offene Hände zu haben, die neu gefüllt werden können. Das bedeutet Strukturen aufzubrechen, neue Menschen an Bord holen und in Verantwortung bringen und sich der Gefahr aussetzen, wieder von vorne anfangen zu müssen. Das erfordert Mut und Demut zugleich und die Bereitschaft der Umkehr und den Willen Neues zu lernen. So was könnte nun mein Beitrag sein, dass Gemeinschaft gelingt. In Kürze sieben Tips um gemeinschaftsfähiger zu werden:

7 Ideen – Wie werde ich gemeinschaftsfähiger?
_Komme ich mit mir selber klar?
_Was ist meine Geschichte mit Autorität?
_Was für Erwartungen habe ich an diese Gemeinschaft? (Was ist Gottes Beitrag? Was sollte der Beitrag der Menschen sein?)
_Spreche ich über meine Beürfnisse?
_Setze ich anderen Menschen Grenzen?
_Werde ich Grenzen anderer akzeptieren?
_Bin ich bereit den Preis für Gemeinschaft zu bezahlen (Verzichten, Vergeben, Vertrauen)

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