IDEA-Meldung: Vineyard und die Kirche

Heute kam eine IDEA-Meldung zum Kongress “Wachsende Kirche” rein:

Geistliche Aufbrüche in Württemberg: „Wir sind kein Wildwuchs“
Kritik an Kirchenleitung: Viel Lob, aber wenig Unterstützung
S t u t t g a r t (idea) – Geistliche Aufbrüche innerhalb der württembergischen Landeskirche wollen nicht als „Wildwuchs“ angesehen werden. Das erklärten Verantwortliche dieser Bewegungen bei einer Diskussion mit der Kirchenleitung im Rahmen des Kongresses „Wachsende Kirche“, der am 11. und 12. April in Stuttgart stattfand. Ihrer Ansicht nach werden sie nicht als eigenständige Gemeinden anerkannt, obwohl sie neben Gottesdiensten auch Hauskreise, Glaubenskurse und Seelsorge anbieten und hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigten. Sie erreichten viele Menschen, die niemals in eine traditionelle Kirchengemeinde gingen. Dadurch trügen sie dazu bei, dass vor allem Jugendliche eine feste Heimat in der Landeskirche fänden. Von der Kirchenleitung gebe es zwar Lob für das ehrenamtliche Engagement, aber wenig Unterstützung. Beispielsweise würden die Aufnahme in Mitarbeiterkonvente und Bezirkssynoden oder die Bereitschaft zu regelmäßigen Visitationen zeigen, dass es ein Interesse an einer kontinuierlichen Arbeit gebe.

Überparochiale Gemeinden sind in Kirchengesetzen nicht vorgesehen
Die kirchlichen Strukturen sähen nicht vor, dass sich neben den Ortsgemeinden überparochiale Gemeinden bilden, klagte Willi Beck von der Gemeinde „Akzente“ in Sulzbach bei Backnang. Zu den Gottesdiensten der 1993 entstandenen evangelikal-charismatischen Gruppe kommen bis zu 250 Besucher aus dem gesamten Kirchenbezirk. Der Wunsch nach offizieller Anerkennung als überregional tätige Gemeinde scheitere daran, dass das Kirchengesetz diesen Fall nicht vorsehe. Dadurch bestehe die Gefahr, dass die Gemeinde langfristig freikirchlich werde. Auch der Jesus-Treff in Stuttgart, der aus der Jugendarbeit der Stiftskirchengemeinde hervorging, bemüht sich bisher vergebens um eine Einbindung in kirchliche Strukturen. Für die Leiterin Sandy Dettenhammer wäre die Anerkennung des Jesus-Treffs als „richtige Gemeinde“ ein Zeichen dafür, dass die Landeskirche bereit ist, Jugendlichen Verantwortung für die Gestaltung der Kirche von morgen zu übertragen. Auch der Regionalleiter der evangelikal-charismatischen Vineyard (Weinberg)-Bewegung, Marcus Hausner (Göppingen), bekräftigte den Wunsch der drei württembergischen Gemeinschaften, durch Einbindung in landeskirchliche Strukturen zu einem offiziellen Teil der Landeskirche zu werden. Mit der Berliner Kirche gebe es eine entsprechende Vereinbarung.

Werden Vineyard-Gemeinschaften „Gemeinschaftsgemeinden“?
Der Reutlinger Prälat Christian Rose wies den Vorwurf zurück, die Kirchenleitung betrachte neue geistliche Aufbrüche als Wildwuchs, den man mit Hilfe von Kirchengesetzen beschneiden wolle. Viele Gruppen versammelten sich in kirchlichen Räumen oder hätten Mitarbeiter, die von der Kirche für diese Arbeit teilweise freigestellt würden. Diese Unterstützung dürfe nicht gering geachtet werden. Mit einem Kirchengesetz, wonach die pietistischen Gemeinschaftsverbände „Gemeinschaftsgemeinden“ mit den Rechten von Ortsgemeinden gründen können, habe sich die Landeskirche weit nach vorn gewagt. Die drei württembergischen Vineyard-Gemeinschaften könnten möglicherweise ebenfalls als „Gemeinschaftsgemeinden“ anerkannt werden. Zu den Aufgaben der Kirchenleitung gehöre es, personenunabhängige Regelungen zu treffen, die außerdem über mehrere Generationen hinweg Bestand haben sollten.