Nachträgliche Ostergedanken

Über Ostern war ich (Caro) in Berlin und da gabs für mich statt “Ostereiersuche” eine regelrechte “Osterwortsuche”. Das Ergebnis seht ihr hier:

8.30 h Ostersonntag: Seit einigen Tagen bin ich in Berlin. Sie drängt sich mehr und mehr in mein Bewusstsein. Unbewusst war sie schon länger da. Die Frage, warum es mir so schwer fällt, Ostern zu begreifen. Was sagt man heute zur Auferstehung und den Sieg Jesu über den Tod? Also ich bin heute (Sonntag) etwas sprachlos und suche nach Worten. Osterwortsuche statt Ostereiersuche.

Aus der Sicht eines gläubigen Atheisten, Piratenmitglied mit einem sozial-liberalen Denkansatz ist die Forderung nach der Aufhebung des Tanzverbots an Karfreitag doch irgendwie berechtigt. Das sind Menschen, die 20 oder 30 oder noch mehr Jahre alt sind und noch nie in ihrem Leben einen Anlass darin sahen, den Todestag Jesu als einen besonderen Tag zu feiern. Warum auch? Sie glauben nicht dran. An Ostern. Eine Frage drängt sich mir auf: Was, wenn wir wirklich auf dem Weg in eine nachchristliche Zeit sind oder uns schon mitten drin befinden? Was, wenn die Menschen es wirklich nicht glauben – wollen – können – … ? Ostern. Was, wenn es auf jeden Fall näher und realer ist als ich bisher dachte? Vor allem hier in Berlin wird es mir bewusst. Die Leute sind irritiert über jemanden wie mich, die scheinbar so ist wie sie, auf unerklärlicher Weise aber zur Kirche gehört …

“Ostern? Keiner versteht um was es eigentlich geht. Wer hat da auch schon den Durchblick? Evangelisch? Katholisch? Ist doch alles das Gleiche” – offenbarte mir erst vorgestern eine junge, gebürtige Berlinerin. Und ich fange an zu denken und frage mich: “Wo kommen denn unsere ganzen Traditionen her? Wer hat die Feiertage als freie Tage eingeführt, erstritten, …? Warum gibt es eine staatliche Kirchensteuereinzugsmaschinerie? Weiß das jemand? Erzählt uns das einer? War das mal jemand wichtig? Was steckt denn dahinter? Wart ihr früher alle brennende, heißblütige Christen? Wer war dafür?

Ich stelle fest: Von vielem haben wir Christen heute selbst keinen Plan mehr. Wir haben uns von der Kirche und den Traditionen entfernt. Oder sie sich von uns, das kann auch sein. Warum läuten die Glocken? Was sind Paramente? Wie kann ich bei der Diakonie mitmachen? Was arbeitet ein Pfarrer? Und, und, und! Ich wünsche mir die Wiederentdeckung alter Bräuche und Zusammenhänge, eine Entrümpelung unnötiger und veralteter Vorstellungen, eine lebensweltorientierte Verknüpfung von Lebensraum und Kirche, Beziehungsorte, Zwischenräume, Begegnungen. Neuentdeckung. Höhlenforschung. Abenteuerland. Steinbruch. Aufräumen. Ausmisten. Auch die Kirchengesetzbücher. Da hat sich so mancher Staub angesammelt. Auch sollten manche Vereinbarungen zwischen Staat und Kirche hinterfragt werden. Ich bin nicht bereit gekapert zu werden. Aber es gibt einen Grund für den”Angriff” der Piraten und die Verwirrung der Menschen. Und das will ich ernst nehmen. Ich glaube wir können nur an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn wir uns dieser Herausforderung ernsthaft stellen. Das beginnt damit, dass wir es einmal “denken” ohne gleich vor Angst in Ohnmacht zu fallen. In all dem Piraten-Angriff-Szenario, auf die “unumstößlichen Grundmauern” unserer Gesellschaft und mitten in der Gleichgültigkeit der Menschen ist  es jedenfalls wieder mal Ostern.

0.30 h Ostermontag: Ich hab jede Menge Osterworte gefunden heute. Zusammengefasst kann ich sagen: Die Auferstehungskraft die Ostern mit sich bringt ist meine ganze Hoffnung.  Ganz egal was die Zukunft bringt. Ganz gleich ob ich reich oder arm, alt oder älter sein werde: die Dinge werden sich verändern. Mehr wahrscheinlich als ich mir heute vorstellen kann. Aber ich will diese Gesellschaft mitgestalten. Neu, 2012, mit Vergangenheit, für die Zunkunft. Ich will mit der Auferstehungskraft von Ostern für unser Land rechnen. Ostern bringt Veränderung und Hoffnung. Und die werden wir brauchen – als Kirche, als Freunde, als Demokratische Republik, als Christen, als Europäer, als Weltbürger, als Menschen. Wie gut, dass wir die Osterkraft kennen. Eine Kraft und eine Macht, die Grenzen überwindet, die frei macht von Abhängigkeit, eine Kraft, die Neues schafft, die zum Eigentlichen führt. Mehr über diese Kraft gibts übrigens hier: Lukas 24, Bibel